A bis E
Apotheke
Eine Packung Tee ist eine kleine Apotheke mit überaus nützlichen Medikamenten: Koffein zur Steigerung der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit, Gerbstoffe gegen Magen- und Darmerkrankungen, Vitamin B1 gegen Stress, Fluorid gegen Karies, Theophyllin mit wohltuender Wirkung auf das zentrale Nervensystem, das Herz und die Blutgefässe, Mangan zur Senkung des Blutzuckerspiegels. Wenn Sie entsprechende Medikamente in der Apotheke kaufen, kommen Sie leicht auf hundert Franken. Eine Tasse Tee guter Qualität dagegen kostet kaum zehn Pfennige. Tee geniessen, etwas für die Gesundheit tun und sogar noch Geld sparen - wer kann einer solchen Kombination widerstehen?
aromatisierter Tee
Tee, dem Aromastoffe, Fruchtstückchen, Blüten, Blättchen, Trockenschalen, Gewürze wie Ingwer, Anis oder Vanille zugefügt werden. Kannte man in China bereits vor dem 18. Jahrhundert. Zwar betragen die Aromastoffe nicht mehr als 3 % der Gesamtmenge, sie können aber das Flavour markant bestimmen. Der Basistee ist wie eine geduldige Mutter, auf deren Arm ein Kind krakeelt und auf sich aufmerksam macht. Teetrinker sind diesen Cocktails gegenüber sehr tolerant. Hauptsache, das aufmunternde Tein bleibt erhalten.
Assam I
Nordindische Provinz mit dem grössten zusammenhängenden Teeanbaugebiet der Welt zu beiden Seiten des Brahmaputra. Der Name scheintdenfabelhaftenMärchenaus 1001 Nachtentnommen zu sein. Teetrinker, die ihre eigenen Himmelsvorstellungen haben, glauben und hoffen, dass das Teeparadies in manchen Zügen an das irdische Assam erinnert.
Assam II
Der Tee, der in der Provinz Assam gewonnen wird: schwer, kräftig-würzig im Aroma, dunkel in der Farbe und mit einem charakteristischen, angenehmen Nachgeschmack. Der dunkle Balthasar unter den Königen des Tees. Es ist zwar nicht überliefert, aber auch keineswegs ausgeschlossen, dass der Balthasar des Neuen Testaments neben Weihrauch und Myrrhe als weitere Kostbarkeit eine Portion Assam-Tee nach Bethlehem brachte. Wir von TOMUS werden von dieser schönen These erst Abstand nehmen, wenn uns Historiker und Religionswissenschaftler das Gegenteil beweisen.
Auktion
Hersteller bieten ihren Tee meist auf Auktionen an. Dort zugelassene Broker vermitteln die Ware. Wenn Sie also gerade in Kalkutta Urlaub machen und auf einer Auktion ein Pfund Tee preisgünstig ersteigern wollen, werden Sie leer ausgehen. Beim Tee kann man den Zwischenhandel einfach nicht ausschalten.
Autumnals
Herbstpflückung. Tees von nicht ganz so hoher Qualität wie beim First flush und Second flush. Aber der Herbst ist ja sowieso die Zeit des Weins. Das Interesse richtet sich auf Neuen Wein und Zwiebelkuchen bzw. Beaujolais primeur und frische Walnüsse aus dem Perigord.
Baum
Eigentlich ist die Teepflanze ein Baumgewächs. Da man aber den Teepflückerinnen nicht zumuten will, ihrer Arbeit kletternd und unter Absturzgefahr nachzugehen, werden die Pflanzen durch regelmässiges Stutzen zu etwa einen Meter hohen Büschen zurückgeschnitten. Im Prinzip könnte die Arbeiterin also mit der einen Hand pflücken und mit der anderen selbst eine gepflegte Tasse Tee trinken.
Besen
1. In Japan: kleines Gerät aus Bambus, das bei der Teezeremonie verwendet wird, um den grünen Tee dickflüssig zu schlagen. 2. Im Abendland: Handbesen mit Rosshaar, mit dem die auf den Boden gefallenen Teegebäckkrümel zusammengefegt werden.
Blatt-Tee
Grossblättriger Tee. Der Trend geht heute eindeutig zu den kleinblättrigen Tees, die 98 % der Produktion ausmachen. Allerdings erfreut sich der Blatt-Tee bei den Darjeelings wegen seines besonders feinen Aromas weiterhin grosser Beliebtheit. Im allgemeinen sagt die Blattgrösse nichts über die Qualität aus. Wer jedoch Wert auf markante Rückstände legt, wird den Blatt-Tee bevorzugen. Der aufgebrühte Dust erinnert optisch fatal an Kaffeepulver, während der Blatt-Tee sich als eindrucksvolles Müllgebirge verabschiedet - unter der Lupe ein imposanter Himalaya.
Blend
Mischung (siehe dort) von Teesorten. mit dem Ziel, ein ansprechendes und unabhängig von den Ernteergebnissen gleichbleibendes Aroma zu gewinnen. Ein Beispiel wäre die sogenannte "Ostfriesenmischung", bei der Assam- und Sumatra- oder Javatee zusammengestellt werden. Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Sie können Blend A mit Blend B im Verhältnis 68: 32 mischen und das Ganze "Müllers Special Orange Pekoe Blend " nennen.
Bodhidharma
Ein Jünger Buddhas, dem der Tee zu verdanken ist. Eines Tages schlief Bodhidharma beim Meditieren ein. Über dieses Versagen ärgerte er sich so sehr, dass er sich die Augenlider abschnitt. Sie fielen zu Boden, schlugen Wurzeln, trieben aus, und schliesslich wuchs ein grüner Strauch heran: Tee! Bodhidharma kostete von den Blättern - und fühlte sich plötzlich frisch und hellwach. Sofort machte er sich an eine neue Runde Meditieren. Hut ab vor Bodhidharma! Wir modernen Teetrinker sind heilfroh, dass wir nach seiner bahnbrechenden Erfindung nur die Teepackung aufzuschneiden brauchen.
BOPF
Testwort, dessen Kenntnis darüber entscheidet, ob jemand ein echter Teekenner oder nur ein Simulant ist. Es handelt sich um die Abkürzung für: Broken Orange Pekoe Fannings, womit ein feinblättriger Tee guter Qualität gemeint ist. Wenn sich Ihr Gesprächspartner mit fragwürdigen Sprüchen wie: "Ein guter BOPF für Kanne und Topf" aus der Affäre ziehen will, wissen Sie Bescheid: Der Mann ist ein Banause, dem auch Rübensaft oder warme Kuhmilch munden würden.
Boston Tea Party
Historisch bedeutsame, zur Nachahmung jedoch nicht zu empfehlende Art der Teezubereitung im Jahre 1773. Der englische König Georg III. wollte partout nicht von seiner Teesteuer lassen, die seine Untertanen in den amerikanischen Kolonien bezahlen sollten. Als im Jahre 1773 drei englische Teeschiffe im Hafen von Boston einliefen, kletterten fünfzig als Indianer kostümierte amerikanische Bürger an Bord und warfen 342 Teekisten ins Wasser. Das war das Fanal für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, an dessen Ende dem englischen König der Tee nicht mehr so recht schmecken wollte, waren doch seine Kolonien endgültig verlorengegangen. - Da sich die Historiker über die Qualität des Bostoner Hafentees ausschweigen, muss man annehmen, dass sich die damals praktizierte Wässerung von Tee ohne Aufkochen selbst bei grossen Mengen nicht bewährt hatte.
Broken Tea
Bei diesem Tee ist die Grösse des gebrochenen Blattes etwas kleiner als beim Blatt-Tee, andererseits sind die Blatt-Teilchen grösser als bei den Fannings und beim Dust. Ein Tee, der sich gut eignet, um gebrochene Herzen zu heilen. Aber auch Teeliebhaber ohne seelische Probleme finden Gefallen an diesem Tee, der ihre gute physische Verfassung weiter stabilisiert.
Broker
1. Vertrauensperson, die auf Auktionen im Auftrag von Teefirmen bestimmte "Lots", also Partien (siehe dort) erwirbt. Für seine Arbeit erhält er im allgemeinen eine Provision von einem halben Prozent.
2. Die Vorstellung, der Broker sorge durch Zertrampeln der getrockneten Teeblätter für den "Broken Tea", ist weit verbreitet, nicht totzukriegen - aber trotzdem falsch.
Caddy
Luftdichter und lichtundurchlässiger Behälter zur Aufbewahrung des Tees für den täglichen Gebrauch, heute meist aus bemaltem Blech. Das Wort kommt vom malaiischen "kati". Das traditionelle Fassungsvermögen beträgt 1 1/3 englische Pfund, also etwa 600 Gramm. In früheren Zeiten war der Caddy in vornehmen englischen Haushalten mit einem Schloss versehen, und den Schlüssel verwahrte die Lady des Hauses. Der Tee war also damals so wertvoll wie die Familienjuwelen. Kein unbefugter Dienstbote sollte sich heimlich ein leckeres Tässchen brauen können.
Ceylon
Sri Lanka, zweitgrösster Tee-Exporteur nach Indien. Bis 1867 dominierte der Kaffee-Anbau, der aber durch die Kaffeeratte und den Rostpilz ruiniert wurde. Der Schotte James Taylor versuchte es mit Tee-Anbau und züchtete einen kräftigen, vollmundigen Tee mit köstlichem Flavour. Damit wurde Ceylon zur Tee-Insel. Die Beharrlichkeit eines einzelnen kann also einen ungeheuren Kulturwandel hervorrufen. Auf dem Münchener Oktoberfest wird in einem der Bierzelte regelmässig ein einsamer Teetrinker gesichtet. Obwohl er viel Spott und Gelächter hervorruft, ist er den Massstemmern im Grunde unheimlich. Denn vielleicht sind die Tage des Bieres schon gezählt, und bald stehen nur noch zierliche Porzellantässchen auf den Holztischen.
Cha-no-yu
Japanische Teezeremonie. Nach Auffassung der Japaner wäre es unangemessen, den Tee einfach hinunterzukippen. Deshalb haben sie unter dem Einfluss des Buddhismus ein kompliziertes Ritual entwickelt, das den Teegenuss auf das höchste geistige Niveau hebt. Die Teegesellschaft, meist fünf Personen, nimmt in einem kleinen Gartenhaus von etwa sechs Quadratmetern nach einer genau festgelegten Choreographie den grünen Pulvertee ein, der mit einem Teebesen in der Trinkschale dickflüssig geschlagen wird. Eine "Erleuchtung", wie sie Buddha unter dem Feigenbaum widerfuhr, ist dabei nicht ausgeschlossen. Der Abendländer wird das kaum nachahmen können. Aber mit einem bequemen Sessel, einer gemütlichen Leselampe, einem guten Buch und einer Kanne Tee vermag jeder seine private Teezeremonie zu zelebrieren, die ihn nach der Hetze des Alltags mit einer fernöstlichen Gelassenheit erfüllt.
Clean
Ein Tee mit Blattgut gleichen Grades ohne Holzteilchen, Fasern und Staub. Manche Teetrinker zeigen sich allerdings von einem solchen Tee enttäuscht, da er zu rein, nämlich geradezu chemisch rein schmecke. Etwas Dreck kann sich also durchaus positiv auf das Flavour auswirken.
CTC-Produktion
Ein verkürzter Teeherstellungsprozess, der zu einem einheitlichen Blatt und einem schnell färbenden und kräftigen Aufguss führt. Die Abkürzung bedeutet: Crushing, Tearing, Curling, also Zermalmen, Zerreissen, Rollen, und genau das macht die CTC-Maschine. Dem CTC-Verfahren in der Produktion entspricht das RTG-Verfahren bei den Teetrinkern: Riechen, Trinken, Geniessen.
Cup
1. Genauer: "Teataster's Cup". Henkellose Tasse, aus welcher der Teataster seinen Probeschluck nimmt.
2. Pokal, zum Beispiel bei der englischen Fussballmeisterschaft. Auf den ersten Blick scheint der Pokal viel wichtiger zu sein, denn wenn Manchester United den Cup gewinnt, steht die Nation Kopf. Aber langfristig gesehen ist dieser Cup (von riesiger Grösse, beachtlicher Schwere und scheusslicher Form) neben der kleinen, unscheinbaren Keramiktasse eine flüchtige Erscheinung. Fussballmeister kommen und gehen - aber der Tee bleibt.
Darjeeling
Ein Städtchen im Norden Indiens, das der bekanntesten Teesorte seinen Namen gegeben hat. An den Südhängen des Himalaya liegen in 2000 Meter Höhe die Teegärten, in denen die edelsten und kostbarsten Tees der Welt angebaut werden. Dank der Höhenlage und des besonderen Klimas ergibt sich ein langsameres Blattwachstum, das dem Tee ein intensives, liebliches Aroma verleiht. Der Legende nach schwärmen die Götter wie die Fliegen vom "Dach der Welt" herab, um sich am Darjeeling zu laben. Denn so gut es ihnen in ihren luftigen, paradiesischen Regionen auch geht - alles haben sie dort nicht, nämlich den wahren Himmelstrank. Umgekehrt haben wir Irdischen ausgesprochenes Glück: Den köstlichen Darjeeling gibt es in jedem Teegeschäft um die Ecke.
Dhool
Aussiebung nach dem Rollen des Tees. Der "erste Dhool" besteht aus dem feinsten Blatt, der "dritte Dhool" aus dem groben Blatt, das später beschnitten wird. Je länger das Rollen dauert, um so grösser ist der Anteil von Fannings und Dust. Sie können also Ihren guten teuren Blatt-Tee durchaus mit dem Nudelholz noch weiterrollen und ihn in Dust verwandeln. Allerdings erzielen Sie damit nur eine optische Wirkung, denn das Fermentieren ist ja schon abgeschlossen.
Dust
Englisches Wort mit der Bedeutung "Staub". Die kleinste und letzte Aussiebung, deswegen aber nicht etwa der letzte Dreck. Die Oxydation ist hier sehr stark gewesen, das heisst der Tee ist dunkel und ergiebig und eignet sich besonders gut für Aufgussbeutel. Wer sich nicht lange mit feierlichen Teezeremonien aufhalten möchte, sondern gleich ans Eingemachte (also ans Tein) will, ist mit Staubbeuteln gut bedient.
Earl Grey
1. Englischer Politiker, lebte 1862-1933, war 1905-1916 sogar Aussenwinister - kein Hahn kräht mehr nach dem einstigen VIP. 2. Edward Grey, Earl of Fallodon, mit der obigen Person identisch, bekannte sich so nachhaltig zu dem mit Bergamottöl aromatisierten Tee (Bergamotte = orangenähnliche Südfrucht), dass sein Name zu dem des Tees wurde. Das beweist, dass man durch die Liebe zum Tee sogar Unsterblichkeit gewinnen kann. In Deutschland steht der "Earl Grey" mit 20 % an der Spitze der aromatisierten Tees. Allerdings ist es mit der Unsterblichkeit auch wieder so eine Sache. Kaum ein Käufer weiss oder will wissen, wer der Earl eigentlich gewesen ist.
Ei
1. Zusatz zum schwarzen Tee wie Kandis oder Sahne. Kenner, Freaks oder Verrückte hauen ein rohes Eidotter in ihren Tee und trinken das Gebräu mit verzückten Augen und zum Entsetzen der Anwesenden.
2. Das sogenannte Tee-Ei aus Metall oder Porzellan, das den in ihrn eingeschlossenen oder vielmehr eingekerkerten Tee weitgehend daran hindert, sein Aroma an das Wasser abzugeben. Falls es sich um ein Erbstück von Ihrer Urgrossmutter handelt: Stellen Sie es als Antiquität auf den Kaminsims (ohne es je zu benutzen). Oder geben Sie das Ding zum Sperrmüll.
Eistee
Amerikanisches Nationalgetränk im Sommer. Nicht einfach kalter, sondern kochend heisser Tee, der auf Eiswürfel gegossen wird und durch die schockartige Abkühlung sein Aroma behält. Erfunden wurde das geniale Verfahren im Jahre 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis. Der Engländer Richard Blechynden sollte mitten im unerträglich heissen Sommer den Amerikanern, die bis dahin den grünen Chinatee bevorzugten, den schwarzen Tee aus Indien schmackhaft machen. Die schwitzenden Yankees waren jedoch nicht geneigt, etwas Heisses zu sich zu nehmen. In seiner Frustration und Wut füllte Blechynden Trinkgläser mit Eiswürfel und goss seinen schwarzen Tee darüber- plötzlich ging das Zeug weg wie warme Semmeln.
Englische Tasse
Zuerst wird die Tasse zu etwa einem Fünftel mit Milch gefüllt, die nicht eiskalt sein sollte. Dann wird der heisse Tee zugegossen und gesüsst. Der Kontinentaleuropäer blickt da nicht immer durch. Mancher füllt erst die Tasse zu einem Fünftel mit heissem Tee, giesst kalte Milch dazu, bis die Tasse voll ist - und wundert sich dann, was die Engländer an dieser Brühe finden. |
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