F bis K
Fannings
Die beim Sieben anfallenden kleinen Teilchen des Teeblatts. Das klingt nach den "Brosamen, die von des Reichen Tische fallen", also nach Rest und Abfall. Tatsächlich aber sagt die Grösse des gebrochenen Blattes nichts über die Qualität des Tees aus. Der Trend geht heute eindeutig zu den kleinblättrigen Tees (98 %), die sich besonders gut für die beliebten Aufgussbeutel eignen. - Durch die richtige Aussprache des Wortes (Fännings) unterscheidet sich der Teekenner vom Banausen, der partout eine Verbindung zur (P)fanne herstellen will. Manche Schlaumeier übertreiben es allerdings in die andere Richtung: Wer in den USA nuschelnd von den "Fannies" spricht, wird einen Lachanfall hervorrufen, denn das ist das populäre Wort für -den Allerwertesten.
Fermentation
Dritte Stufe der Teeproduktion. Das grüne Blatt wird nach dem Rollen auf Wannen oder Tischen ausgebreitet und befeuchtet. Der beim Rollen ausgetretene Zellsaft oxydiert und gärt. Dabei nimmt das Blatt eine kupferrote Färbung an. Weintrinker, die nur Vergorenes akzeptieren, müssen zähneknirschend anerkennen, dass zumindest der schwarze Tee ein Gärungsprodukt ist. Gegenüber dem Wein hat es allerdings einen grossen Vorzug: Auch nach zwanzig Tassen Tee hat man keinen Kater.
First flush
Frühlingspflückung, Tee guter und bester Qualität. Der Firstflush-Darjeeling weist einen hellen Abguss auf. Ein Tee für Leute, die überall die ersten sein wollen und alles "Zweite" entrüstet zurückweisen (siehe auch Second flush).
Flavour
Duft, Aroma, Geschmack des (guten) Tees. Zur deutschen Teekultur gehört einfach ein Kauderwelsch mit reichlich englischen Brocken, sonst ist man nicht "in", und es fehlt das "Know-how". Der Endpunkt der Entwicklung ist allerdings noch längst nicht erreicht. Wir von TOMUS machen uns für den schönen Ausdruck "for all the tea in China" stark (Bedeutung: um alles in der Welt). Wem das noch zu heavy ist, der kann sich ja fürs erste mit der Hilfsübersetzung begnügen: "für all den Tee in China", was auch schon sehr weitläufig klingt.
Flugtee
1. Tee, der an Bord von Flugzeugen angeboten wird. Fällt gegenüber dem strahlenden Lächeln der Stewardess stark ab.
2. First-flush-Darjeeling, der, kaum geerntet, als Luftfracht auf den Weg gebracht wird. Die Kunden legen nämlich Wert auf absolute Frische dieses besonderen Tees und zahlen dafür gerne etwas mehr.
FOP
Abkürzung für: Flowery Orange Pekoe. "Flowery" bezeichnet ein blumiges Aroma. Ein angenehmer Tee, auf keinen Fall ein Flop.
Genius loci
Der Geist des Ortes, also die Besonderheit einer Lokalität, die dem Teegenuss entgegenkommt. Nun ist der Tee ein guter Kamerad, der einen durch dick und dünn begleitet. Man kann ihn praktisch überall zu sich nehmen. Englische Strassenarbeiter pflegen aus dem Loch, das sie in die Strasse gegraben haben, aufzutauchen, um sich vor Ort eine Teepause zu gönnen. Andererseits entfaltet sich der Tee am besten, wenn man in einem altmodischen Ohrensessel sitzt und Kanne, Tasse und Gebäck auf einem Beistelltischchen in bequemer Reichweite hat.
Geschlagener Tee
Grüner Tee, der in Japan mit dem Teebesen aus Bambus geschlagen wird, bis er schön dickflüssig ist. Bitte beachten Sie, dass das nur mit grünem Tee funktioniert. Ihren schwarzen Tee können Sie schlagen, bis Sie schwarz werden, ohne dass er sich verändert - es sei denn, sie probieren es mit Schlagsahne.
Golden
Hinweis auf goldbraune Blattspitzen, also "Tips". Diese Bezeichnung wird nur bei Darjeeling- oder Assam-Blatt-Tees verwendet (zum Beispiel Golden Flowery Orange Pekoe). Dass man bei "Golden" sofort an das Edelmetall, also an etwas sehr Wertvolles denkt, ist ein netter Nebeneffekt, der den Teeherstellern gut in den Kram passt.
Grüner Tee
Stammt von derselben Pflanze wie der schwarze Tee, ist aber nicht fermentiert worden. Deshalb behalten die Blätter ihre olivgrüne Farbe. Grüner Tee wird in den ostasiatischen Ländern bevorzugt. In Europa hat sich der schwarze Tee erst seit dem ersten Weltkrieg durchgesetzt. Die "Grünen" in der Politik entscheiden sich nicht nur aus Image-Gründen mehr und mehr für den grünen Tee. Der "schwarze" Tee färbt sich nämlich beim Aufgiessen des heissen Wassers "rot" - da weiss man als Grüner überhaupt nicht, woran man ist.
Gunpowder
1. Englisch: "Schiesspulver". 2. Kugeliger grüner Tee aus China, Taiwan und Indien, der an Schiessschrot erinnert. Obwohl er nur eine "dünne Tasse" ergibt, wird er besonders gerne in Nordafrika getrunken. Es ist sehr wichtig, dass man 1. nicht mit 2. verwechselt. Nordafrikanische Teetrinker waren schon masslos enttäuscht, wenn sie mit Schiesspulver keinen vernünftigen Tee hinkriegten. Umgekehrt gingen schon Schlachten verloren, weil die Soldaten ihre Gewehre mit grünem Tee luden.
Haltbarkeit
1. Bewahrung des Aromas: Mindestens 18 Monate nach Verlassen der Fabrik bleibt das Tee-Aroma erhalten. Voraussetzung ist natürlich, dass der Tee sorgfältig gelagert wird, also nicht im Kühlschrank und auch nicht neben Käse, Knoblauch oder Terpentin. 2. Bewahrung der Teemenge: Richtet sich nach der Teegüte. Der Teetrinker weidet sich zwar gerne am Anblick eines ordentlichen Teevorrats, aber ein First-flush-Darjeeling geht rasch weg, ist also wenig haltbar. Andererseits hält sich eine obskure Teemischung (oft Bestandteil eines Geschenkkorbs anlässlich eines Jubiläums) erstaunlich lange.
High Tea
Auch "five o'clock tea", eine regelrechte Mahlzeit am späten Nachmittag oder frühen Abend, die an die Stelle des Abendessens tritt. An der Bezeichnung sieht man, wie wichtig dem Engländer der Tee ist. Was das Nationalgetränk begleitet, wird nicht einmal erwähnt.
Hybride
Kreuzungsprodukt der Tee-Urpflanzen, das feiner, aromatischer und widerstandsfähiger ist als seine Eltern. Besonders bewährt hat sich die sogenannte Assam-Hybride, die heute als Grundlage für fast alle Teekulturen der Welt dient. Auch unter Teetrinkern gibt es Kreuzungsversuche. Ein überzeugter Darjeeling-Trinker zeugt mit einer Earl-Grey-Liebhaberin ein Kind, dem die Liebe zum Tee eigentlich in den Genen eingepflanzt sein müsste. Allerdings gibt es da auch bedauerliche Ausrutscher: Der Abkömmling trinkt anfangs am liebsten Kaba, dann Cola und am Ende - Kaffee.
Indien
Weltmeister in der Teeproduktion. In etwa 6000 Plantagen werden jährlich etwa 740 000 Tonnen Tee produziert, das sind über 370 Milliarden Tassen. Ein Mensch, der pro Tag zehn Tassen trinkt, könnte damit 100 Millionen Jahre auskommen. Klingt das nicht paradiesisch?
Infusionen
Kräutertees heissen im Englischen "herbal infusions" und im Französischen "infusions". Bei diesen Bezeichnungen kommt der Verbraucher gar nicht auf den Gedanken, die Flüssigkeiten mit echtem Tee zu verwechseln. Wenn allerdings auf unserem Hagebuttentee auch etwas ähnlich Korrektes wie "Infusionsgetränk" stünde, würde sich der Deutsche zu sehr an Krankenbett und Intensivstation erinnert fühlen. So sehen unsere Teekenner über die kleine Hochstapelei grossmütig hinweg - möge hierzulande jeder mit seinem "Tee" glücklich werden.
Java
Teeanbaugebiet mit Qualitätsgefälle. In den höheren Regionen wird exportfähiger Tee angebaut, in den niedriger gelegenen wächst Tee minderer Qualität heran, der für den eigenen Verbrauch bestimmt ist. Also gilt hier die alte Märchendevise: Die Schlechten ins Kröpfchen, die Guten ins Töpfchen. Die Kröpfchen unserer Teetrinker aber erreicht nur der gute Tee.
Jute
In China werden die hölzernen Teekisten manchmal noch in Jute eingepackt. Das ist zwar nicht unbedingt notwendig, macht aber einen guten Eindruck: So sorgfältig verpackt muss der Tee auch gut sein.
Kaisertee
Japans berühmtester Tee aus der Provinz Shizuoka, der nur dem Kaiser und seinem Hof vorbehalten war und unter besonderen Zeremonien gepflückt wurde. Die Qualität dieses Tees bleibt also mangels Wissen und Erfahrung unbeschreibbar. In Anbetracht anderer Delikatessen, die dem gemeinen Volk zugänglich geworden sind (zum Beispiel Austern oder geröstete Ameisen) sind zwei Annahmen möglich: 1. Es handelte sich um ein ganz köstliches Getränk. 2. Der Tee schmeckte eigentlich scheusslich, aber der Kaiser und sein Hof hatten sich so daran gewöhnt, dass sie ihn nicht mehr missen wollten.
Kaiser von China
Genauer: Kaiser Tsching-nung (2737-2679 v. Chr.), der mit Bodhidharma (siehe dort) wetteifert, den Tee erfunden zu haben. Einst ruhte der Kaiser unter einem grünen Baum. Er liess ein Feuer entfachen, um Wasser in einem Kessel zum Kochen zu bringen. In der Hitze der aufsteigenden Luft verdorrten Blätter und fielen in das kochende Wasser, das eine goldene Farbe annahm. Der Kaiser kostete und rief begeistert: "Leute, ich habe den Tee erfunden! Meinem ersten Eindruck nach handelt es sich um einen 'Flowery Orange Pekoe 1'. Um aber den Experten und Teatastern nicht vorzugreifen, will ich das Produkt nur 'T'sa', das Göttliche und Erleuchtende, nennen."
Kalorien
Kleine Dickmacher, die besonders in Eisbein, Gänsebraten, Sahnetorten und dergleichen lauern. Tee pur dagegen hat null Kalorien! Wem das zuwenig ist, kann Zucker und Sahne hineinhauen und ordentlich Teegebäck dazu futtern. Wer andererseits auf seine schlanke Linie achten muss (zum Beispiel als Jockey oder Fotomodell), ist mit Tee ohne Zusatz (oder mit ein wenig Milch) gut bedient. Der Tee schmeckt trotzdem.
Kamelienklima
Als den Kamelienarten verwandte Pflanze stellt der Teestrauch hohe Anforderungen an seine Umwelt: mittlere Jahrestemperaturen von mindestens 18° C, am besten kein oder nur mässiger Frost, jährliche Niederschläge von mindestens 1600 Litern (möglichst gleichmässig über das Jahr verteilt), durchschnittliche Sonnenscheindauer von etwa vier Stunden täglich und ausserdem gut drainierte, durchlässige, saure Böden. Wenn man ähnlich hohe Anforderungen an die Teetrinker stellen würde, wäre kaum einer qualifiziert und berechtigt, das edle Getränk in sich hineinzuschütten.
Kandis
Grosse Zuckerkristalle, die man aus konzentrierten Zuckerlösungen gewinnt. Für braunen Kandis wird der Zuckerlösung Karamel zugesetzt, der durch Erhitzen von Zucker entsteht. Man kann es also drehen und wenden, wie man will, Kandis ist und bleibt Zucker (wie die ordinäre Raffinade) - wenn auch von interessanter Form und mit aparten Geräuschen (siehe auch Kluntje).
Kanne
Gefäss, in dem der aufgebrühte Tee sein Aroma entfaltet. Das gelingt ihm in Kannen aus Porzellan, Steingut oder Glas besser als in Metallkannen. Im 18. Jahrhundert wurden die noch heute gebräuchlichen Grundformen entwickelt: Die Kaffeekanne ist im allgemeinen schmal, steil und geradwandig, die Teekanne eher breit als hoch und betont bauchig. Diese gemütliche Form entspricht der Mentalität der Teetrinker, die gerne in einer behaglichen Runde zusammensitzen und ein Tässchen nach dem anderen trinken, was sich beim anregenden Klönsnack (siehe dort) ziemlich hinziehen kann.
Kenia
Erst im 20. Jahrhundert sorgten die Briten dafür, dass in dieser Kolonie der geliebte Tee angebaut wurde. Die erste Tee-Auktion fand 1957 in Nairobi statt. Besonders geschätzt wird der Tee aus dem Meru-Distrikt wegen seines frischen, citrusartigen Geschmacks. Wenn Sie an diesen interessanten Tee nicht herankommen, können Sie auch zu Ihrem Assam ein paar Tropfen Zitronensaft geben und intensiv an Kenia denken.
Kiste
Der von der Sortiermaschine ausgesiebte Tee wird in Kisten abgefüllt. Das Standardgewicht einer Kiste liegt bei 40 kg für Blatt-Tee und bei 55 kg für Fannings. 20 Kisten werden auf eine Palette geladen, und die ganze Palettenladung kommt auf dem Seeweg nach Europa. Die Kisten bestehen aus Sperrholz, sind innen mit Metallfolie ausgeschlagen und an den Kanten zusätzlich mit Metallstreifen abgedichtet. So ein Kistchen würde 20000 bis 30000 Tässchen ergeben, was für den Einzelverbraucher beinahe etwas viel auf einen Sitz ist. Deshalb wird der Kisteninhalt weiter portioniert, bis ein kostbares Päckchen von einem halben Pfund oder gar nur 100 Gramm den Kunden erreicht.
Klipper
Schnelle Segelschiffe, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden. Die englischen "Teeklipper" brachten die ersehnte Ware im Rekordtempo heran und sorgten dafür, dass der ehemals sündhaft teure Tee in Ostfriesland zum Nationalgetränk werden konnte. Tee-Fans sollen im Hafen von Emden die Ankunft einer neuen Teeladung mit einem donnernden "Klipp - klipp - hurra!" begrüsst haben.
Kluntje
Kandis in Form eines EinzeLkristalls. Die Wachstumszeit eines Kluntje beträgt drei Wochen. Ohne Kluntje ist der ostfriesische Tee undenkbar. Wenn der Tee auf die Kluntjes gegossen wird, knackt und knistert es geheimnisvoll - die Teegeister erwachen zum Leben. Früher, als der Kandis noch in unterschiedlichen Grössen hergestellt wurde, erhielt der Gast oder der Opa ein besonders dickes Stück, das wie ein Eisberg über den "Teespiegel" hinausragte.
Koppke
Henkellose Tasse nach Art der Chinesen. Erst später wurden in Europa Henkel und Untertasse dazuerfunden. Henkel hin oder her, dem gemütlichen Wort "Koppke" hält der Ostfriese die Treue - wahrscheinlich wegen des schönen Stabreims mit "Kluntje". "Een Koppke mit 'n Kluntje un Rohm drin" (eine Tasse mit Kandis und Sahne) geht herrlich von der Zunge. Diese Zauberformel ist fester Bestandteil der ostfriesischen Teekultur.
Kräutertee
Heisser Aufguss von Kräutern und anderen Ingredienzien wie Früchten, Nüssen und Gewürzen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, und wenn Sie nicht gerade giftige Vogelbeeren und Tollkirschen in Ihren Kreativ-Sud mixen, können Sie alles verwenden, was Ihnen in Gottes freier Natur unter die Finger kommt. Mit echtem Tee hat das Kräuterzeug allerdings nichts zu tun, denn es fehlt (vor allem) das anregende Tein. |
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