Dienstag, 22. Mai 2012 · Kaffee · Antica Tostatura Triestina
Diese Rösterei ist einfach Klasse. Sie nennen eine Espressomischung 'Nessun Dorma', was übersetzt nichts anderes heisst als 'niemand schläft'. Was soll man bloss von einer solchen Namensfindung halten? Bei genauerer Überlegung kommt man aber schnell darauf, dass es nicht um die Wirkung dieser Röstung geht - schliesslich haben wir es mit 95% Arabica zu tun, und die Arabicas haben ja bekanntlich keinen besonders hohen Koffeingehalt.
Nessun Dorma ist auch der Name einer der bekanntesten Arien von Puccini, gesungen unter anderem vom unvergessenen Pavarotti. Und diese Arie berührt, sie geht unter die Haut wie kaum eine andere.
Der Caffè Nessun Dorma berührt ebenfalls. Allerdings sind jetzt die Geschmacksnerven 'betroffen', und das sogar sehr nachhaltig. Bei der Antica Tostatura Triestina sind wir aber auch nichts anderes gewohnt. Das liegt an der Bohnenauswahl: Schon bei der Ernte werden nur die vollreifen Kaffeekirschen von Hand gepflückt und äusserst schonend aufbereitet und gewaschen. Die handwerkliche Röstung in kleinen Chargen über Buchenholzfeuer lässt Nessun Dorma dann zu dem werden, wovon Geniesser in Verzückung geraten - eine absolut ausgewogene Komposition, elegant nuanciert, sanft und mit aussergewöhnlich raffinierten Details im langen Abgang. Der Wunsch nach einer weiteren Tasse bleibt da nicht lange aus - vielleicht kommt der Name ja daher...
Zur Antica Tostatura Triestina Geschichte: Dahinter steckt ein echter Hausbrandt. Wenn wir über die Antica Tostatura Triestina berichten, müssen wir mit dem Namen Hausbrandt beginnen.
Hermann Ernest Hausbrandt ist der Urgrosater von Alessandro Hausbrandt, dem Besitzer der Antica Tostatura Triestina. Aber Hermann Hausbrandt ist nicht irgendein Urgrossvater. Viele nennen ihn auch den 'Gründungsvater' der italienischen Espressokultur.
Im Jahr 1892 wurde von Hermann Ernest Hausbrandt die allererste Rösterei in Triest gegründet. Schon Ende des 19. Jahrhunderts engagierte sich die Familie Hausbrandt in einer der ersten gemeinnützigen Organisationen, die sich um die Belange der Importeure und Röster in Triest kümmerte. Durch geschicktes Marketing wurde sehr bald neben dem lokalen Markt auch der weltweite Vertrieb des gerösteten Kaffees immer wichtiger. Das hat massgeblich zum Ruf Triests als der heimlichen Espresso Hauptstadt beigetragen.
Hermanns Sohn Ermanno (man beachte den Wechsel von der deutsch/österreichischen Schreibweise zur italienischen) war fasziniert von der damals neuartigen Espresso Extraktion. Mit seinen vielen Versuchen trug er erfolgreich zur Verbesserung des Extraktionsprozesses und allgemeinen Optimierung der ursprünglich von Achille Bazzera erfundenen Maschinen bei.
Ermannos Sohn, der Vater des heutigen Besitzers Alessandro Hausbrandt, sah sich in den siebziger Jahren leider gezwungen, die Marke Hausbrandt an die Familie Zanetti zu verkaufen auch Besitzer von Segafredo.
Der Vater hatte die Rechnung aber ohne seinen Sohn gemacht. Alessandro Hausbrandt hat nämlich mehr Kaffee als Blut in seinen Adern. Er verfolgte seine Passion in Ruhe, aber mit der gebotenen Entschlossenheit und schaffte es so, die die junge, aber zugleich traditionsreiche Firma Antica Tostatura Triestina Caffè aufzubauen.
Es gibt die Marke Hausbrandt und die Nachkommen von Hermann Ernest Hausbrandt. Die Nachkommen heissen zwar Hausbrandt, dürfen Ihren Kaffee aber nicht so nennen. Man könnte auch sagen: Antica Tostatura Triestina Caffè ist der echte(re) Hausbrandt Caffè.
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