Letzten Herbst blieb in Brasilien der Regen aus. Das treibt nun die Preise für Kaffee nach oben – und setzt den lokalen Bauern zu.
São Paulo. – Joaquim José de Oliveira muss derzeit mit wenig
auskommen. Der 50-jährige Kaffeepflanzer aus dem brasilianischen Guaxupe bringt von der diesjährigen Ernte nur einen Teil auf den Markt. Denn Trockenheit hat dafür gesorgt, dass die nächste sehr schwach sein wird. «Ich verkaufe nur so viel, dass ich weitermachen kann», sagt der Mann mit dem Strohhut. «Sonst habe ich nächstes Jahr gar nichts.» Schuld an de Oliveiras Situation ist der Oktoberregen. Der kam letztes Jahr zu spät. Die Kaffeebäume in wichtigen Anbauregionen Brasiliens konnten sich so nicht von der Trockenheit des Winters erholen. Nur wenige Pflanzen haben Blüten angesetzt. Die Gleichung ist einfach: keine Blüten, keine Bohnen.
Massiv tiefere Ernte nächstes JahrDen neuesten Prognosen zufolge wird die nächste Ernte in Brasilien, der weltweit wichtigsten Produzentennation, um 28 Prozent geringer ausfallen als im Vorjahr. Die Landwirtschaftsbehörde Conab prognostiziert für die Saison von April bis Oktober 2007 einen Ertrag von 31 bis 32 Millionen Säcken à 60 Kilogramm – ein Vierjahrestief. Terminkontrakte auf die Sorte Arabica mit Lieferung im März verteuerten sich im Dezember zum Teil über das Höchst vom letzten Februar, als das Pfund à 0,454 Kilo knapp 1.30 Dollar kostete. Verantwortlich für den ausgeprägten Haussetrend der letzten Wochen sind aber nicht nur tiefe Ernteprognosen, sondern auch grosse Hedge Funds.
Händler John Wolthers vom Exporteur Comexim in Santos bei São Paulo rechnet für die Zukunft deshalb sogar mit Preisen von bis zu 1.35 Dollar. Er glaubt, dass die Kaffeeproduzenten Vorräte zurückhalten werden, um in Zukunft von steigenden Preisen zu profitieren und für die erwartete Durststrecke vorzusorgen. «Sie haben gelernt, das Verkaufsvolumen gut zu dosieren.»
Kaffeebauer de Oliveira hat es besonders schwer getroffen. Er schätzt, dass nur 1200 der 23 000 Bäume seiner Plantage richtig Blüten trugen. Margarete Boteon, Leiterin der Kaffeeforschung an der Universität von São Paulo, geht davon aus, dass die Hälfte der Bäume wegen der Dürre zu wenig Blüten getragen haben. De Oliveiras Heimatregion Guaxupe, die in den Bergen zwischen den Staaten São Paulo und Minas Gerais liegt, bringt vier Fünftel der brasilianischen Arabica Bohnen hervor, die 70 Prozent der Gesamtproduktion des Landes ausmachen. Den Rest liefert die bitterere und günsti- gere Sorte Robusta, die als Beimischung zu Arabica und zur Herstellung von Löslichkaffee verwendet wird.
Kaffee kennt Zwei-Jahres-RhythmusVon Mai bis September fielen in Guaxupe nur 80,6 Millimeter Regen – so wenig wie seit 1985 nicht mehr. Im Vorjahr waren es 250 Millimeter gewesen. Die 10 000 Mitglieder der lokalen Kaffee-Kooperative Cooxupe produzierten dieses Jahr rund 4,2 Millionen Säcke oder 13 Prozent der gesamten Arabica-Ernte Brasiliens. Nächstes Jahr werde der Ertrag auf 2,5 Millionen einbrechen, sagt Joaquim de Andrade, Chef-Landwirt der Kooperative. Was man allerdings wissen muss: Schwankungen der Produktionsmenge sind nichts Ungewöhnliches. So verläuft die Kaffeeernte Brasiliens gewöhnlich ohnehin in einem Zwei-Jahres-Zyklus, der aus einer besseren und einer rund 20 Prozent schwächeren Ernte besteht. Mario Cerutti, Leiter Einkauf bei Lavazza, dem grössten italienischen Kaffeeröster, rät daher zu Besonnenheit. Wenn die Produktion nicht wirklich deutlich einbreche, werde der Kaffeepreis wieder sinken. (Bloomberg/TA)
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